Es gibt keine Seligkeit ohne Bücher.
Arno Schmidt
Buchtipp des Monats - Dezember 2007
- Michael Braun
- Deutschlandfunk Lyrikkalender 2008
- Wunderhorn Verlag
- ISBN 978-3-88423-280-4
- € 22,00
Lesen Sie täglich ein Gedicht! Jeden Tag des Jahres wird ein kurzer Lyrik-Text zweimal täglich in das Programm des Deutschlandfunks "eingestreut", in je unterschiedliche Sendungen eingeblendet. Jetzt können Sie "das Gedicht des Tages" und einen Kommentar dazu in unserem Kalender lesen: Ein Blatt für jeden Tag, auf der Vorderseite das Gedicht in wechselnder Farbe, mit übersichtlicher Datumsanzeige, den Kommentar auf der Rückseite. Die Auswahl - der Bogen spannt sich von der hochmittelalterlichen Dichtung bis hin zu ganz aktuellen Texten - besorgte der Heidelberger Literaturwissenschaftler Michael Braun, unübertroffen in seiner Kenntnis der deutschen Lyrik. Jedem Gedicht hat er einen Kommentar beigegeben, der den Text, seinen Autor und die Zeitumstände kurz und treffend, dabei einfühlsam umreißt.
24 Texte aus dem Deutschlandfunk Lyrikkalender 2007
haben wir in diesem Jahr für unser Adventskalender-Schaufenster ausgewählt!
- Elisabeth Rynell
- Schneeland
- btb
- ISBN 978-3-442-72377-5
- € 9,00
Die junge Inna kämpft in der menschlichen Einöde Lapplands ums Überleben. Die Mutter ist tot, der Vater nach einem tragischen Unglück ein verkrüppelter, gebrochener despotischer Mann. Inna kennt wenig Freude in ihrem Dasein. Und doch ist da eine namenlose Sehnsucht, eine Kraft, die aus der Wärme der Erinnerung kommt. Eines Tages besiegt Inna die Angst und begegnet Aron, einem schweigsamen Fremden, der in der weiten Fjäll- und Seenlandschaft Lapplands Pferde hütet.
Fünfzig Jahre später begibt sich mitten im Winter eine andere Frau voller Schmerz und Trauer auf die Wanderschaft in die Einöde. Sie stößt zufällig an einen vollkommen einsam gelegenen Hof und entdeckt die tote Inna an einem Brunnen, zugeweht vom Schnee...
Elisabeth Rynell, geboren 1954, lebt in Ume. 1975 publizierte sie ihren ersten Gedichtband, der großes Echo bei Kritik und Publikum fand. Danach mehrere Gedichtsammlungen, einen Roman und Essays. Ihren großen Durchbruch hatte sie in Schweden mit dem Roman „Schneeland“, der autobiografische Elemente enthält. Sie erhielt dafür zahllose Auszeichnungen und stand damit monatelang auf den Bestsellerlisten des Landes.
- Alberto Vigevani
- Sommer am See
- Friedenauer Presse
- ISBN 978-3-932109-50-8
- € 16,00
"Sommer am See" erschien 1958. Die Erzählung spielt in den dreißiger Jahren im Kreis des Mailänder Bürgertums während der Sommerferien. Held ist Giacomo; der Vierzehnjährige ist melancholisch und faul, fühlt sich erniedrigt, weil ihn die Erwachsenen nicht für voll nehmen. Zu seinem Eintritt in die Welt der "Großen" gehört die obligate Einführung in das Liebesleben und die Erziehung der Gefühle. Nach ersten Erfahrungen mit dem Dienstmädchen Emilia verliebt er sich in die Mutter eines englischen Jungen. Schließlich entsteht zwischen ihm und Andrew eine fürsorgliche Freundschaft, Giacomo fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben als der Größere, der Gebende.
"Alberto Vigevanis Erzählung ›Sommer am See‹ ist von einer Schönheit, die zu Herzen geht. Man liest sie mit jenem Glücksgefühl, das der Trauer benachbart ist, der Trauer über die vergehende Zeit und der Erinnerung an die Tage der Unschuld." (Die Zeit)
- Nicole Krauss
- Kommt ein Mann ins Zimmer
- Rowohlt TB
- ISBN 978-3-499-23961-8
- € 9,95
Samson Greene ist ein Kind in einem Männerkörper. Durch eine Gehirnoperation, bei der ein tödlicher Tumor entfernt werden musste, haben die Ärzte sein Leben körperlich gerettet: geistig aber hat es der Englischprofessor aus New York verloren. Denn die Erinnerung an alles, was nach seinem zwölften Lebensjahr geschah, ist ausgelöscht - unwiderrufbar, wie es scheint. In der Wüste von Las Vegas hatte man Samson orientierungslos aufgelesen, als der Tumor in seinem Kopf noch wütete, und eine Wüste ist auch sein Gedächtnis nach dem Eingriff. Aber dann verspricht ein Arzt aus Kalifornien, ihm mit den Mitteln der modernen Hirnforschung seine Vergangenheit zurückgeben zu können. "Kommt ein Mann ins Zimmer" beschreibt den langen Weg zum alten Ich, der am Ende dann doch nicht so richtig gelingen will - und mit Samson und seiner Frau Anna zwei Menschen zurücklässt, die jeweils glauben, einander überlebt zu haben.
Nicole Krauss wurde 1974 in New York, USA, geboren. Sie studierte Englische Literatur in Stanford und Oxford. "Die Geschichte der Liebe" ist ihr zweiter Roman nach "Man Walks Into a Room" und einigen Lyrikveröffentlichungen. Sie ist mit Jonathan Safran Foer verheiratet und lebt in New York.
- Klaus Funke
- Am Ende war alles Musik
- dtv
- ISBN 978-3-423-13622-8
- € 8,00
Klaus Funke erzählt vom Leben und Sterben des bedeutenden Musik-pädagogen Friedrich Wieck, dem Vater von Clara Schumann, und folgt Johannes Brahms in die Steiermark, wo er während eines Sommerurlaubs die Anfänge seiner 4. Sinfonie komponiert. Im Widerschein dieser begnadeten Musiker und ihrer Suche nach einem alltäglichen Glück spiegelt sich nicht nur das 19. Jahrhundert und seine Kultur. In Funkes virtuosen Novellen leuchtet allenthalben auch das tragische Schicksal Robert Schumanns auf.
»Selten wurde die Idee von der Macht der Musik so gut in realistische Erzählung gekleidet wie in diesen beiden Novellen.« Babette Kaiserkern in der ›Märkischen Allgemeinen‹
- O. Henry & Lisbeth Zwerger
- Das Geschenk der Weisen
- dtv
- ISBN 978-3-423-70338-3
- € 7,50
Weihnachten um 1900 in New York. Wie gern würden sich Della und Jim gegenseitig ein Geschenk machen! Aber sie haben keinen Penny. Und so trennt sich jeder heimlich von seinem liebsten Besitz.
Mit dieser Geschichte wurde O.Henry auf der ganzen Welt bekannt. Die zarten Bilder von Lisbeth Zwerger geben treffend die Athmosphäre der schon klassischen Geschichte wieder.
Das Buch erhielt neben dem Österreichischen Staatspreis noch zahlreiche andere Auszeichnungen
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.
Friedrich Nietzsche
Buchtipp des Monats - Oktober 2007
- Klaus Funke
- Der Abschied oder Parsifals Ende
- Faber und Faber
- ISBN 978-3-86730-034-6
- € 17,90
- LESUNG MIT DEM AUTOR
- Sonnabend, 17. November 2007, 17 Uhr
Mit dem Roman »Der Abschied oder Parsifals Ende« legt Klaus Funke das erste deutschsprachige belletristische Werk über den genialen Musiker Hans von Bülow vor. Wieder gelingt es dem Autor des Novellenbandes »Am Ende war alles Musik« und des Paganini-Romans »Der Teufel in Dresden« mit großem erzählerischem Atem und hoher Sachkenntnis den Leser in seinen Bann zu schlagen.
Hans von Bülow, der Protagonist des Romans, von dem wir kein Tondokument oder gar einen Film besitzen, ist dennoch der erste moderne Stardirigent der europäischen Musikgeschichte und zugleich auch ein fabelhafter Pianist gewesen, lebte er heute, so würde er in einer Reihe mit Ashkenazy, Rattle, Barenboim oder Muti genannt werden. Hans von Bülow hat neben Engagements in München, Hannover, Hamburg und Berlin, in Meiningen von 1880 bis 1885 die Intendantur der Herzoglichen Hofkapelle inne gehabt. Diese Zeit, in der er dieses Orchester zu Weltruhm führte, ist zugleich auch seine widersprüchlichste Schaffens- und Lebenszeit gewesen. Er flüchtete nach der Ehe-Katastrophe mit der Liszt-Tochter Cosima, die ihm Richard Wagner abspenstig gemacht hatte, in eine zweite Ehe (mit Marie Schanzer, einer Schauspielerin am Meininger Theater), wurde ein enger Freund von Johannes Brahms, und erlebte vom Spätsommer 1882 bis zum Sommer 1883 seinen tiefsten menschlichen und gesundheitlichen Zusammenbruch, der seinen erschütternden Höhepunkt im Februar 1883 mit der Nachricht vom Tode Richard Wagners erreicht. Nur sein unbändiger Wille, sein missionarischer Eifer, sein Wahn der Musik richtet ihn wieder auf. Aber er nimmt, trotz europäischer Erfolge als Dirigent und Orchesterleiter, in diesen Jahren zugleich auch Abschied. Abschied vor allem von Richard Wagner, seinem ursprünglichen Idol, Abschied von der Wagnerschen Kunst- und Musikauffassung, und wendet sich immer stärker Beethoven und Brahms zu, die er in eine Reihe mit dem großen Bach stellt. Und, obwohl er seine Frau aufrichtig liebt, hofft Bülow, wie in einem Aufflackern seiner Lebensenergie, während eines Kuraufenthaltes mit Cecile Mutzenbecher ein letztes Mal Liebesrausch und Sinneslust zu finden.
Hans von Bülow ist eine seltsam tragisch-dramatische Figur, beinahe »ein Ritter von der traurigen Gestalt«. Ein Mann, ein Künstler, der polarisiert, der abstößt und anzieht, immer wieder, und auch heute noch. Das Buch zeichnet diesen Mann und einen kleinen Wegabschnitt seines Lebens. Es ist ganz bewusst kein biografischer Text, sondern die Sage von einem Menschen, dem Sieger und Verlierer, dem großen Musiker Hans von Bülow.
- Kadar Abdolah
- Die geheime Schrift
- dtv
- ISBN 978-3-423-13582-5
- € 10,00
Esmail hat ein Manuskript mit ins Exil genommen. Geschrieben hat es sein taubstummer Vater, in einer seltsamen, kaum lesbaren Schrift. So, wie er früher seinen Vater verstehen wollte, versucht Esmail nun, das Geschriebene zu entziffern. Es schildert das Leben in einem kleinen Dorf an der Grenze: »Südlich der Grenze lag der Iran, und nördlich, dort, wo immer tiefer Schnee lag, Russland.« Dieser fast märchenhafte Roman, der einen Bogen spannt zwischen Amsterdam und Persien, erzählt von Vater und Sohn, von Analphabetismus und der Leidenschaft für Geschichten, von Armut, Abhängigkeit und erwachendem politischen Mut. Esmail schließt sich dem studentischen Kampf gegen den Schah an, später der Regime-Kritik gegen Chomeini. Er flieht - und aus dem Sohn eines Teppichknüpfers wird ein westlicher Intellektueller, der seiner Herkunft jedoch alles verdankt.
- John von Düffel
- Vom Wasser
- dtv
- ISBN 978-3-423-12799-8
- € 9,50
Die Geschichte einer Papierfabrikantendynastie, erzählt von einem, der wie magisch angezogen immer wieder zum Wasser zurückkehrt. Vor unseren Augen lässt dieser Mann die Porträts seiner Ahnengalerie auferstehen. Er erinnert sich an die sommerlichen Szenen seiner Kindheit und stellt sich vor, wie es gewesen sein könnte: damals, als im letzten Jahrhundert der Ururgroßvater auf seinem Landgut zwischen den Flüssen Orpe und Diemel entdeckte, wie sich Wasser in Papier und Papier sich in Geld verwandeln lässt; damals, als der Sohn des Firmengründers die Fabrik mit seinem nüchternen Zahlenverstand durch den ersten Krieg rechnete und rettete; damals, als die traditionsreiche Geschichte der erstgeborenen Fabrikherren mit dem nächsten Krieg und einem den Musen zugewandten Direktor zu Ende zu gehen drohte. Damals, als seine Frau die vorläufige Rettung brachte.
- Karla Schneider
- Marcolini oder Wie man Günstling wird
- Hanser
- ISBN 978-3-446-20905-3
- € 17,90
Marcolini ist Silberpage am Fürstenhof in Dresden. Als ihn Prinzessin Maria Antonia zum Gesellschafter ihres ältesten Sohnes "befördert", ist er gekränkt: Friedrich August gilt als schwerfällig an Körper und Geist. Immerhin, wer weiß, wozu ein enger Kontakt zum Thronerben noch nützlich ist? Doch dann geschieht das Unerwartete: Friedrich August gewinnt mit seinem zurückhaltenden, freundlichen Wesen Marcolinis Herz. Und dieser wird es nicht zulassen, dass der Prinz von seiner eigenen Mutter um den Thron gebracht wird ... Ein bewegender historischer Roman um eine ungewöhnliche Freundschaft und eine lebendige Schilderung des Barock.
Buchtipp des Monats - September 2007
- Reiner Kunze
- lindennacht
- Gedichte
- S. Fischer Verlag
- ISBN 978-3-10-042024-4
- € 17,90
„fahrt mit altem meister“ heißt in Reiner Kunzes neuem Gedichtband eine seiner poetischen Landschaften, wie er sie unnachahmbar mit wenigen Strichen zu malen versteht. Auch der Autor selbst zeigt in „lindennacht“ die reifste Meisterschaft: eine, die mit immer sparsameren, scheinbar immer kunstloseren Mitteln Kunst entstehen läßt. Jahrzehnte von Leben und Schreiben müssen auf diese Kunst hingearbeitet haben. (Jakub Ekier) Die originären Sprachbilder dieses Lyrikbandes berühren durch ihre Einfachheit, Präzision und ein Äußerstes an Menschlichkeit. Unüberhörbar leise entwerfen die Gedichte Kindheitserinnerungen, sprechen über das Lieben und nähern sich dem Tod.
- Hedwig von Bülow
- Es war einmal ein Zweihorn
- Sauerländer
- ISBN 978-3-7941-6032-7
- € 16,90
Wie der Bankräuber Black Jack lesen und schreiben lernt, warum ein Huhn nach Afrika zur Kur will, welchen guten Rat die Himbeereisfee zu geben hat und vieles mehr verrät dieses reichhaltige Vorlesebuch, das sich einem der wichtigsten Ereignisse im Leben widmet: der Zeit rund ums erste Schuljahr. Von rund 50 namhaften Autoren wie Renate Welsh, Max Kruse, Gudrun Pausewang, Monika Feth, Marjaleena Lembcke, Gudrun Mebs, Georg Bydlinski und anderen gibt es hier Witziges, Überraschendes, Poetisches, aber auch Ernstes, das nachdenklich stimmt. Dazu laden Poesie und Geschichten aus über 12 europäischen Ländern wie zum Beispiel England, Spanien, Polen, Litauen oder der Türkei, zum Teil in der Originalsprache, zum ersten spielerischen Umgang mit einer Fremdsprache ein. Für alle Erstklässler und die, die es werden wollen.
Buchtipp des Monats - Mai 2007
- Panos Karnezis
- Kleine Gemeinheiten
- dtv
- ISBN 3-423-13569-7
- € 9,00
"Verdammt!" brachte Pater Gerasimo hervor. "Der Jüngste Tag ist gekommen." Als das kleine, namenlose griechische Dorf, in dem diese neunzehn miteinander verknüpften Geschichten spielen, von einem Erdbeben heimgesucht wird, ist dies für den verzweifelten Pater der unwiderlegbare Beweis für den himmlischen Zorn, der angesichts der vielen kleinen und großen Sünden seiner gottlosen Schäfchen nun auf sie alle herabkommt. Das Leben auf dem Land aber ist hart, für Mensch und Tier, und vom Bahnwärter über den Bürgermeister bis hin zum Barbier oder zur Hure: keiner bleibt von den Katastrophen der verschiedensten Art verschont. Da bleibt die ein oder andere Schandtat nicht aus, ob nun aus Habgier oder Liebe begangen. Von Zeit zu Zeit kommen auch Besucher in das dem Untergang geweihte Dorf am Ende der Welt: ein König im Exil, ein Bischof, der vorgibt, Wunder bewirken zu können, ein Zigeunerzirkus mit einem Zentaur, eine exotische Vogelhändlerin, Sänger, Gewichtheber und handelsreisende Gauner. Und am Ende ist es nicht der göttliche Zorn, der die Zerstörung bringt, sondern, wie so häufig, der Mensch höchstselbst ...
In 19 Geschichten erzählt Panos Karnezis "Kleine Gemeinheiten", die sich wie zu einem Roman fügen, den man glatt Garcia Marquez zuschreiben könnte, wenn er nicht durch und durch griechisch beseelt wäre. Für Annie Proulx ist dieses Debüt "die literarische Entdeckung des Jahres".
- Thomas Lehr
- 42
- Aufbau TB
- ISBN 3-7466-2342-1
- € 8,95
Nicht weit von Genf, der Stadt der Atomphysiker, Diplomaten und Uhrmacher, liegen die unterirdischen Anlagen des Kernforschungszentrums CERN. Als an einem sonnigen Augusttag eine Besuchergruppe wieder ans Tageslicht tritt, ist die gesamte Genfer Region, ja ganz Europa in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die Besucher bewegen sich wie in einer "Fotografie der Welt". Steht die Zeit still? Was ist geschehen? Hat der Teilchenbeschleuniger eine Zeitkatastrophe verursacht? Die 70 "Chronifizierten" müssen mit einer traumatischen Situation von Einsamkeit, Macht und Ohnmacht zurechtkommen, Theorien entwickeln und Strategien des Zusammenlebens erproben. Obwohl für sie die persönliche Zeit weiterläuft, in der sogar Kinder geboren werden, sind sie scheinbar in alle Ewigkeit gefangen in der 42. Sekunde um 12:47 dieses Sommertags - bis nach fünf Jahren aus wahrhaft heiterem Himmel die Weltzeit plötzlich für 3 kostbare Sekunden weitertickt. Aus ihrer Lethargie gerissen, sammelt sich die inzwischen durch Krankheiten und mörderische Auseinandersetzungen dezimierte Gruppe zu einem "finalen Experiment". In diesem furiosen Roman schießen die erzählerischen Momente wie in einem Teilchenbeschleuniger zusammen: modernste Zeittheorien, existentielle Deutungen und eine mitreißende Sprache. Thomas Lehr legt mit diesem Roman das wichtigste Buch seines bisher vielfach preisgekrönten Werkes vor.
- Georges-Arthur Goldschmidt
- Die Absonderung
- Fischer TB
- ISBN 3-596-11867-0
- € 7,90
Georges-Arthur Goldschmidt wurde 1938 als Zehnjähriger in Hamburg von seinen jüdischen Eltern in den Zug nach Florenz gesetzt. Von dort gelang er in ein französisches Kinderheim in den Savoyer Alpen. Das Leben dort, den Kampf gegen das Heimweh, die zahlreichen Prügelstrafen und die heimliche Lust daran, die ständige Bedrohung durch die deutschen Besatzer beschreibt Goldschmidt in seiner Erzählung „Die Absonderung“. Im Vorwort von Peter Handke heißt es dazu: Goldschmidt hat so etwas wie ein Traumbuch geschrieben: In dem Sinn, dass er für Situationen und Ereignisse, für die es bis dahin keine Sprache gab, wie somnambul, planlos, vorsatzlos, dafür um so klarer und unmittelbarer eine solche – nicht findet, sondern einfach hinsetzt. Ja, vergleichbare Bücher schreibt manchmal ein Träumer – nur ist hier beim Erwachen das Buch da, vorhanden, zur Hand: eher als ein ‚Traumbuch‘ vielleicht also das Zeugnis eines so ausgedehnten wie beengten Traumwandelns, eines jahrelangen, voll des Schreckens und des Staunens, der Raum- und Zeitsprünge, der fahlen Labyrinthwelt des ewigen Kriegs und der weiträumigen Farbenwinkel eines episodischen Friedens. Traumbuch; Zeugnis eines Traumwandelns; oder: das Buch als Findling
- Selma Noort
- Pol und das Geheimnis des verborgen Gartens
- Freies Geistesleben
- ISBN 3-7725-2262-9
- € 14,50
Pol wohnt mit seiner Mutter Lot in dem gemütlichen Torhaus und hat das wichtige Amt des Torwächters inne. Hinter der alten Stadtmauer entdeckt er ein wunderschönes, geheimnisvolles Stück Land, aber da wohnt jemand und außerdem ist es gefährlich dort. Pol wagt sich mit Sonja und Jan-Willem trotzdem immer weiter auf das Gelände. Und eines Tages kommt ein Mann, der aus dem Torhaus ein Restaurant machen will und allen zeigt, dass er immer kriegt, was er will. Aber Pol und Lot lassen sich so leicht nicht einschüchtern. Sie kämpfen für ihr Recht und - bekommen Hilfe von einem geheimnisvollen Mann, der im Bootshaus wohnt. Selma Noort, geboren 1960, lebt mit ihrer Familie in Leiden in den Niederlanden. Sie hat einige Jahre als Erzieherin gearbeitet und ist heute freie Autorin und Übersetzerin. In ihren Büchern entfaltet sie ein beeindruckendes Spektrum verschiedener Erzählstile, die die Atmosphäre ihrer Geschichten immer genau treffen.
Sofern nicht anders angegeben, handelt es sich bei den beschreibenden Texten um Informationen des Verlages.
Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde.
Jean Paul
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